Pforzheimer Kurier: Pfeifenpaten werden gesucht

Restaurierung der Steinmeyer-Orgel in Schloßkirche geplant / Kosten: 700 000 Euro

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Setzen auf die Solidarität der Pforzheime: Georg Leicht (links), Vorsitzender des Fördervereins für die Schloßkirche, und stellvertretender Vorsitzender Udo Schlittenhardt wollen, dass die Steinmeyer-Orgel wieder erklingt. Foto: Wacker

100 000 Euro müssen pro Jahr in Kasse kommen

Von Pforzheimer Kurier-Mitarbeiter Philipp Rohn

Spielen könne man auf ihr zwar noch, doch Experten raten davon ab. Der Zustand der großen Steinmeyer-Orgel in der Schloßkirche St. Michael sei schwer desolat, sagte Pfarrerin Heike Reisner-Baral bei einem Pressetermin. Bereits im Jahr 2002 habe der Ältestenrat dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben. Ersatzweise komme daher bisher eine kleine Truhenorgel bei den Gottesdiensten zum Einsatz. Damit das prachtvolle Instrument wieder in allen Registern erklingen kann, sei eine fachmännische Restauration notwendig. Dieser finanziell aufwendigen Angelegenheit hat sich nun der Förderverein der Schloßkirche angenommen.

„Die Kosten für die Instandsetzung belaufen sich auf etwa 700 000 Euro“, erklärte der Vorsitzende des Vereins, Georg Leicht. „Wir befinden uns in der glücklichen Lage, bereits zum Start über 380 000 Euro zu verfügen.“ Das heißt, man könne und wolle den Auftrag jetzt schon erteilen. In drei Jahren sollen die Arbeiten an dem Instrument, das beim Wiederaufbau der Kirche in den 1950er Jahren installiert wurde, dann beginnen können.

Über ein Jahr hinweg soll ein regionaler Fachbetrieb, vermutlich ein Bewerber aus Leonberg, den Korpus, das komplizierte Innenleben und die rund 3 000 Pfeifen restaurieren. „Bei einer ersten Ausschreibung wurden für die Arbeiten rund 1,4 Millionen Euro sondiert“, so Reisner-Baral. Es sei schwer gewesen, überhaupt ein geeignetes Unternehmen zu finden, da das Handwerk des Orgelbaus zusehends aussterbe. Bei einer zweiten Ausschreibung habe man schließlich den aktuellen Finanzierungsbetrag vorgeschlagen bekommen.

Noch immer gilt es, einen großen Betrag durch Spenden zu akquirieren. Doch die Verantwortlichen bauen auf die Solidarität der Pforzheimer: „Obwohl wir ein Förderverein für die Schloßkirche sind, haben wir keinen direkten kirchlichen Bezug“, so Leicht. Aus historischem Interesse und wegen der Bedeutung für das Stadtbild wolle man St. Michael erhalten. Dafür hat sich der Juwelier Leicht auch schon einige kreative Ideen einfallen lassen: „Zum einen wollen wir über unsere Webseite Mitglieder, Spender und Paten für die Orgelpfeifen werben, zum anderen haben wir auch kaufmännische Ideen für die Finanzierung“, erklärte er. So wolle er kleine Orgelpfeifen als Anhänger und Stecknadeln in Silber und Gold arbeiten lassen, die dann zur Unterstützung vertrieben werden.

Auch der Schirmherr der Schloßkirche, Bernhard Prinz von Baden, habe seine Unterstützung zugesagt. Auf seinem Weingut in Salem soll in diesem Jahr ein edler Tropfen gekeltert werden, der dann zugunsten der Orgelrestaurierung verkauft wird. Außerdem wolle man ein kulturelles Begleitprogramm mit Spezialführungen und Kirchenkonzerten erarbeiten. Die Erlöse sollen beigesteuert werden. Etwa 100 000 Euro pro Jahr müssen so in die Kasse kommen.

„Ich glaube, dass die Pforzheimer Bürger sich der Schloßkirche sehr verbunden fühlen“, meint Leicht. „Bereits die Anschaffung vor mehr als 60 Jahren wurde durch das Engagement der Bürger ermöglicht.“ Der Förderverein der Schloßkirche hat aktuell rund 20 Mitglieder.